Autor: Waltraud Meusel/Wilson de Olivera
Man tanzt entweder zu "klassischer" oder zu "populärer" Musik - aber doch nicht zu beidem gleichzeitig! Dies stimmt spätestens seit Waltraud Meusels Tanzreise durch Zeit und Raum nicht mehr. Der bei Fidula erschienene Band liefert Tanzideen zu einer von Wilson de Oliveira kreierten Musik, die traditionelle Tanzmusik mit Jazz-Elementen verknüpft. Diese innovative Mischung hört sich so viel versprechend an, wie es klingt. Die acht Musikstücke der Begleit-CD zum Heft beginnen und enden "pur", im traditionellen Stil des jeweiligen Tanzes und improvisieren im Mittelteil ganz im Stil des Jazz.
Auch der Titel des Hefts hält, was er verspricht: Mit der Auswahl der acht Tänze von der deutschen Allemande über die italienische Pavane bis zur brasilianischen Samba ist ein zeitlicher wie geografischer Rundumschlag geglückt. Wie die Musik, so kombinieren auch die Choreografien Traditionelles mit Modernem. Zu jedem Tanz werden zunächst die "Bausteine", die traditionellen Schritte, beschrieben und danach drei unterschiedliche Tanzchoreografien dargestellt. Das Besondere dabei ist, dass zu jedem Tanz verschiedene Niveaus angeboten werden. So kann der Gruppenleiter aus den jeweils drei vorgestellten Choreografien jene auswählen, die den Fähigkeiten und dem Entwicklungsstand seiner Gruppe entspricht. Hier kommt die Intention der Autorin zum Tragen, die Tänze jeder beliebigen Zielgruppe, ob Kindergartenkinder, Schülerinnen, Tanzstudenten oder Senioren, zugänglich zu machen. Die Gestaltung des Buchs im DIN A4-Format komplettiert das positive Gesamtbild: fröhliche Zeichnungen und veranschaulichende Fotos wirken ansprechend. Auch die systematische inhaltliche Gliederung ist sehr benutzerfreundlich. So erhält der Leser zunächst Informationen über Charakter, formalen Aufbau und den geschichtlichen Hintergrund der Musik. Nach den dann erläuterten Bausteinen folgen schließlich die eigentlichen Tanzbeschreibungen.
Die Musik kommt bei Kindern und Jugendlichen erstaunlich gut an. Einmal an ihren eigenwilligen Klang gewöhnt und in sie eingehört, inspiriert die Musik sie darüber hinaus tatsächlich zu eigenen Bewegungsideen. Damit ist sowohl Waltraud Meusels Anliegen erfüllt, "anspruchsvolle Musik" mit Bewegung zu verknüpfen, als auch, über die vorgegebenen Choreografien hinaus immer wieder die Fantasie der Teilnehmerinnen einzubinden und anzuregen.
(Rezension in "Klasse Musik" 1/2006)