Autor: Thomas Holland-Moritz
Spaß mit Musik: Hat man das nicht schon zu oft gehört, gelesen gefordert? Auf den ersten Blick ist man geneigt, hier eine weitere, mehr oder weniger enttäuschende Spaßmusik zu finden. Die Reihe Spaß mit Musik, herausgegeben von Thomas Holland-Moritz, scheint aber, nach dem hier vorliegenden Heft 8 zu urteilen, alle Versprechen einzulösen.
Im Vorwort verspricht der Herausgeber Heiteres, Parodistisches, Satirisches und Humorvolles. Dabei vergisst er nicht, dass Üben oft mühsam, schweißtreibend und anstrengend ist. So versteht er seine eigenen Stücke als Ergänzung und Kontrastprogramm. Holland-Moritz denkt wohl vor allem an Musikschulen, aber auch an Gymnasien und Gesamtschulen als Adressaten der Reihe, denn sie bietet in weiser Beschränkung Neues für Instrumentalensembles. Hier werden Möglichkeiten des Zusammenspiels jeglicher Art angeboten: seriell – experimentierfreudig – jazzig.
Der Lattenzaun von Christian Morgenstern ist in seiner satirischen, ironischen und surrealen Art für diese Zwecke besonders gut geeignet. Der Autor hat das Gedicht für Klaviertrio vertont. Eine erstaunliche Vielfalt von Ensemblemöglichkeiten wird erschlossen! Das bezieht sich zunächst auf die Stilistik: eine gelungene Mischung zwischen E- und U-Musik – im Fachjargon bekannt als Fusion oder Crossover -, aber auch zwischen tonal, bitonal und freitonal....
Wir haben es hier mit einer außerordentlich gelungenen und glücklich erfundenen Gebrauchsmusik für fortgeschrittene InstrumentalistInnen zu tun, die uneingeschränkt zu empfehlen ist!
(in: ,,üben & musizieren" 4/2005)
Wie schön – eine Komposition für Violine, Cello und Klavier nach einem Text von Christian Morgenstern. Dessen Trauergesang auf einen Lattenzaun, der unvermittelt ohne Zwischenraum dasteht („...ein Anblick grässlich und gemein...“), lieferte die Vorlage für die Komposition. Diese höchst gelungene Reihe erweitert das Repertoire der Kammermusiker, bereichert den Gruppenunterricht und zaubert sicher zumindest ein Schmunzeln auf die Gesichter aller Beteiligten, ob nun agierend oder hörend. Sie ermöglicht auf sehr vergnügliche Weise, dass ganz spielerisch wichtige musikalische und kammermusikalische Techniken und Fähigkeiten erarbeitet werden. Auch Mimik und Gestik der Musiker können/müssen/sollen einbezogen werden: Die Ausführenden sollen sich als typisches Klavier-Trio fühlen, dies jedoch durch ungewöhnliche Aktionen verfremden und ergänzen. Dazu gehören neben der Rezitation des Textes (die, falls die Ausführung zu schwierig wird, auch von einem Vierten übernommen werden kann) Utensilien wie eine Sonnenbrille und ein Handy für eine zwischenzeitliche „Konferenzschaltung“. Um es mit den Worten des Herausgebers zu sagen: „Viel Spaß mit Musik!“
(in: ,,Jazz-Zeitung" im Mai 2005)